DAS Standardwerk über die Geschichte der Kindheit

Meine Ausgabe von Philippe Ariés Geschichte der Kindheit erschien in der 17. Auflage 2011 im Deutschen Taschenbuch Verlag.


Dieses Standardwerk des Historikers öffnet den Blick für das weite Feld der Kindheit vom Mittelalter bis in die Moderne. Es stellt das heutige Kindheits- und Familienkonzept nicht in Frage, jedoch gewinnt man rasch die Erkenntnis, das Kindheit wie man sie heute kennt, doch ein sehr modernes Phänomen ist und es durchaus Denkvarianten gibt. Gegliedert ist das Werk in die Abschnitte " Die Einstellung zur Kindheit", "das Schulleben" und "die Familie". Es kann ein Überblick gewonnen werden, wie Kindheit in verschiedenen Zeiten organisiert war und welche Werte sich daraus jeweils ergaben. Auch wie lange Kindheit dauerte und was sie kennzeichnete, von der Kleidung bis zur Geschichte des Spielens, ist über die Zeit keineswegs konstant geblieben. Was Kindheit jedoch eint ist, das sie wandelbar ist und immer von Erwachsenen gestaltet wird. 

Es werden viele Fragen aufgeworfen und beantwortet, die Fachkräfte rund um Kindertagesstätten, Horten und Schulen bei der Konzeptentwicklung weiterbringen, die anleiten, einen neuen Blickwinkel einzunehmen. Welchen Stellenwert nimmt der kommunikative Austausch ein? Welche Funktion haben Kinder? (Sind sie nur da, um Erwachsene zu zerstreuen [Montaignes]?) Wirkt Erziehung durch den Staat (und im übertragenen Sinne durch staatliche Schulen und Kitas) wie eine Sozialdisziplinierung? Wer kümmerte sich um sogenannte Problemkinder im Laufe der Epochen? Wann wurde begonnen, emotionales Verhalten zum eigenen Kind öffentlich zu zeigen und in welcher Form? Wie stand man zu Disziplinierungsmaßnahmen? Spannend ist die Erkenntnis, dass die gesellschaftlichen Strukturen das Bild von Kindheit maßgeblich beeinflussen. Mit dem Beginn der Schule als Erziehungsinstanz entwickelt sich in der Kindheitsgeschichte zum ersten mal ein eigener Lebensbereich des Kindes.

Interessierten Eltern ist die Geschichte der Kindheit ein überaus interessanter, wenngleich nicht immer einfach zu lesender, Informationspool. Wann begann das Kümmern um Kinder? Wie lange wurde die Bindung an die Mutter als "normal" angesehen? Welches Kindheitskonzept steht dahinter, wenn mal die Erziehbarkeit des Kindes, mal deren Bildungsbedarf im Fokus stehen? Was ist "glückliche Kindheit" und wie stellte sich  das aufstrebende Bürgertum dieses Selbstdarstellungsprojekt vor? Wie gewährleisteten der Adel und das Proletariat Erziehung?

Heute ist Kindheit ein weitestgehend standardisierter Prozess: Kindern werden Räume zugewiesen, sie werden regelmäßig kinderärztlich überwacht und am Standard gemessen. Über weite Zeiträume unterschied sich das Kindheitskonzept enorm von dem der heutigen Zeit. Dieses Buch gibt das notwendige Wissen, über unser tendenziell passives Kindheitskonzept zu reflektieren.
Alle Kultuwissenschaftsstudenten in Hagen brauchen dieses Werk spätestens im Modul L3.

Ich habe es schon mehrfach verschenkt und durchweg positive Rückmeldungen bekommen.








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