Der Hummerkönig



von Alexi Zentner

Poetische Familiensaga


Der Roman Die Hummerkönige von Alexi Zentner  erschien im Mai 2017 bei btb.
Eröffnet wird ganz klassisch mit einem Prolog. Die Ich-Erzählerin führt ein in die lange Familientradition des Hummerfischens der Familie Kings und deren Leben auf der fiktiven Insel Loosewood Island. Die zweite Eröffnung beginnt mit einer frühen Erinnerung der Protagonistin Cordelia. Sie fährt mit ihrem Daddy aufs Meer hinaus und wirft den Haken der vom Vater gebastelten Angelrute versehentlich in dessen Unterlippe. Seine sanfte, ruhige und bedächtige Reaktion transportiert sehr schön den Charakter der Figur. Ihre Emotionen, die sich einstellen, als der geliebte und verehrte Daddy den kleinen Bruder auf den Schoß nimmt und erklärt, der Junge werde einmal die Geschäfte des Kings übernehmen, zeichnen den Verlauf des Plots vor. Der Leser wird mitgenommen in ein intensives Familienleben der Kings. Handwerklich sehr gut gemacht wird im Epilog die Vergangenheit und Gegenwart der Story um eine Zukunft ergänzt. Die Geschichte und mit ihr die Protagonisten entwickeln sich stringent. Die Themen des Buches sind gleichermaßen Tradition, Familie und Rollenbilder, das Ganze Umrahmt von schönen Bildern, von Natur.
Der Autor bedient sich einer sehr poetischen Sprache, die leider immer wieder ins gewollt verkünstelte abgleitet. Die Schlüssigkeit der Handlung ist nicht immer absolut gegeben. Als Beispiel muss unbedingt genannt werden, wie der „Ursprung“ der Familie, Brumfitt Kings, zu seiner Frau kam: „Es war ein Wunder. Sie wuchs aus der Gischt, und ihr Blick war auf ihn gerichtet, als wüsste sie, dass er auf sie wartet. Die unsichtbare Hand, die den Ozean zurückhiel…“  Das ist dann wohl die Kunst, die mir den Zugang zu diesem Werk erschwert hat. Die 411 Seiten haben mich leider zu keiner Zeit gefesselt.

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