Die Kinder vom Möwenweg



Das moderne Bullerbü von Kirsten Boie




In einer neu gebauten Reihenhaus-Siedlung wohnen Tara mit ihren Brüdern Petja und Maus und ihren Eltern direkt neben einem sehr netten älteren Ehepaar, das sie Oma und Opa Kleefeld nennen und einem etwas komplizierteren älteren Paar, den Voisins. Neben den Voisins wohnt Taras beste Freund Tieneke, ein Einzelkind, mit ihren Eltern. Daneben sind Frizi und die pubertierende Jul mit ihren Eltern gezogen. Das Endhaus bewohnt die alleinerziehende und ziemlich strenge Mama von Vincent und Laurin mit den beiden Jungs. Bis auf die Voisins verstehen sich die Erwachsenen ganz prächtig, was zu so manch spontanem Fest führt. Auch die Kinder freunden sich sehr schnell an.
Gemeinsam wird sich um Puschelchen und Wuschelchen, Tienekes Kaninchen gekümmert, die, wie sich herausstellt, leider keine Zwergkaninchen, sondern Belgische Riesen sind. Valentinstagskarten werden gemeinsam gebastelt und sorgen dann doch für Verwirrung (Ein neues Jahr im Möwenweg). Natürlich werden Kekse gebacken und Aprilscherze gemacht, Silvester gefeiert, Geburtstagspartys geplant, gestritten und sich wieder vertragen. Ziemlich lustig wird es, wenn einer der Reihenhauspapas alleine mit allen (!) Kindern mit dem Rad an den See fährt. Ebenfalls urkomisch ist, wenn bei der Preisverleihung im Einkaufszentrum die Lehrerin von Taras und Tienekes Klasse kurzfristig nicht mehr auffindbar ist und die beiden Mädchen den Preis für ihre Klasse entgegennehmen. Neben all den Höhepunkten, die diese wunderbare Reihe bereithält, wird sehr viel Alltag erzählt: Familienalltag von einer großen Familie mit drei Kindern, Einzelkindalltag, Alltag von zwei Jungs, die regelmäßig den Papa besuchen, der nicht bei ihnen wohnt, Nachbarschaftsalltag, Schulalltag. Man begleitet die Kinder durch das Jahr, feiert Geburtstage und jahreszeitliche Fest, ist dabei, wenn sie wirklich kreative Pläne schmieden, Erdbeeren auf dem Selberpflückerfeld pflücken, Probleme lösen, Streit schlichten.

All das präsentiert Kirsten Boie in einer sehr schönen Sprache. Häufig bemängelt wird die Stilfigur des Anakoluths, also der grammatikalisch nicht korrekten Fortführung eines Satzes, die hin und wieder Verwendung findet. Ich finde, dass macht diese Reihe so besonders. Oft liest es sich, als hätten die Kinder die Geschichten spontan erzählt. Gleichzeitig erinnert der Stil an Astrid Lindgren, die dieses sprachliche Mittel in den Kindern aus der Krachmacherstraße und Bullerbü ebenfalls bemühte.
2007 wurde Kirsten Boie für das Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.

Erschienen ist die Reihe im Friedrich Oetinger Verlag. Wir haben aktuell die drei abgebildeten Werke zuhause, Ostern im Möwenweg als Hörspiel, Sommer im Möwenweg verliehen und alle anderen immer mal wieder in unserer Lieblingsbibliothek, dem Prinz-Max Palais in Karlsruhe, ausgeliehen. Empfehlenswert ist diese Reihe zum Vorlesen für Vorschul- und Grundschulkinder. Auch als erste selber-lesen Bücher eignen sie sich hervorragend, da die Kapitel überschaubar sind und immer wieder kleine bunte Bilder die Handlung spiegeln.


Kommentare