Ein Jugendbuch, das den Lesern was zutraut





Mein Leben als Zucchini

240 Seiten 

von Gilles Paris

Knaus Verlag

14,99 Euro





Ein humorvolles und doch trauriges Buch, das berührt und unterhält


Der Roman Mein Leben als Zucchini von Gilles Paris erschien 2004 im Knaus Verlag.

Der Leser erfährt die Geschichte vom 9-Jährigen Icare, dessen Mutter nach einem tragischen Unfall mit einer Schusswaffe verstirbt.  Zucchini, wie Icare genannt wird, hatte bis dahin nicht die schönste Kindheit. Er ist ein Einzelkind, der Vater hat die alkoholkranke Mutter verlassen. Weitere Angehörige gibt es nicht, daher kommt er in ein Pariser Waisenhaus. Dort findet er zum ersten Mal Freunde, die auch viel Trauriges erlebt haben. Für das Mädchen Camille entwickelt er ganz besondere Gefühle. Zucchini erlebt, wie schön sich Geborgenheit und Freundschaft anfühlt.

Die Geschichte wird aus der Sicht der jungen Protagonisten erzählt. In leichter, ja, kindlicher Sprache, erfährt der Leser all das Schreckliche, Haarsträubende, das die Kinder erlebt haben. Immer wieder wird angedeutet, was ein Kind erleiden musste. Icare findet das gar nicht so sehr schlimm, da er es noch nicht wirklich versteht. Die Kinder verwenden Wörter, die sie noch nicht so einordnet, wie es erwachsene Leser tun. Die Sprache greift sehr gut auf, wie sich Icare entwickelt, was in ihm vorgeht.

Mein Fazit:
Der Anfang des Buches hat mich tatsächlich schockiert. Will ich wirklich, dass meine Kinder ihre Phantasie mit alkoholkranken Müttern, Schusswaffen und Wörtern wie „Flittchen“ anregen? Dieses Buch ist nicht das typische heile-Welt-Kinderbuch. Es geht um den Ernst des Lebens, um Einsamkeit und Schicksale aber eben auch um Zusammenhalt, Freunde und Freude, um Auswege, Zuversicht, Gemeinschaft und Liebe. Die sprachliche Umsetzung ist hervorragend gelungen. Sehr humorvoll und mit Wortwitz werden Situationen geschildert, die den erwachsene (Vor)Leser eigentlich kräftig Schlucken lassen, die Kinder aber noch gar nicht so dramatisch empfinden. Hier wird Kindern was zugetraut. Sprachlich wie inhaltlich!
Es ist kein einfaches Buch, aber ein gutes, über das sich sprechen lässt.


    


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