Die Frau des Botschafters - erschienen im Mare Verlag



Seit Jahren ist dieses Buch für mich unübertroffen. Die Sprache Stefan Mosters ist klar, nüchtern und distanziert, dabei poetisch und berührend, aber nie pathetisch. Das geht eigentlich nicht? Richtig! Aber Moster schafft es immer wieder aufs Neue. Doch in diesem Werk hat er sich selber übertroffen.


Oda, Journalistin und Mutter des schwerbehinderten Felix, bewohnt mit ihrem Mann, dem Botschafter von Deutschland, eine prachtvolle Villa mit privatem Zugang zur Meeresbucht von Helsinki. Diese Rolle zwingt sie in ein für sie unbefriedigendes Nichtstun. Sie sehnt sich unendlich nach dem Sohn, den man in Deutschland in einem Pflegeheim zurückgelassen hat. Unter diesen äußeren Bedingungen wandelt sich die einest zufriedene Ehe in ein starres Rollenspiel. Doch dann wendet sich die Geschichte – die des Buches und die von Oda:
Sie lernt den Einsiedler Klaus kennen. Er hat den Traum, das Land seines verstorbenen deutschen Vaters zu besuchen, längst begraben. Der finnische Fischer lebt ein zufriedenes Leben. Durch ihn erinnert Oda, was im Leben wichtig ist. In diesem Fall ist es Felix, der Sohn. Ihm will sie zeigen, wie sich auf der zugefrorenen Bucht in Helsinki die Grenzen zwischen Himmel und Erde im totalen Licht auflösen. Sie holen Felix in einer schwierigen, abenteuerlichen Mission nach Helsinki. Niemand anderes weiß von der Aktion. Die Zeit drängt.
Mindestens genau so stark wie die Sprache und Geschichte ist die Zeichnung der finnischen Landschaft.

Fazit:
Ein leises Buch, das die melancholische Stimmung perfekt einfängt, ohne selber melancholisch zu sein. Unbedingt empfehlenswert.

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