Die Meinungsmaschine



Die Meinungsmaschine
Wie Informationen gemacht werden und wem wir noch glauben können


Petra Gerster (Moderatorin der heute-Nachrichten) und Christian Nürnberger (Süddeutsche Zeitung Journalist)  sind mir als Autorentandem durch den „Erziehungsnotstand“ bekannt. Das Werk erschien im November 2017 im Ludwig Verlag

Der für mich prägendste Satz dieses Buches lautet:
Die wichtigste Währung der Demokratie ist Vertrauen.

Das Autorenehepaar definiert als Zielgruppe für dieses Buch „die Verunsicherten, die Fragen und Zweifel haben, aber noch empfänglich sind für Argumente und noch willens, selber zu denken (S. 16).“ Und diesen Lesern und Hörern soll dargelegt werden, wie Journalisten arbeiten, nach welchen Regeln das, was man gemeinhin als Nachrichten bezeichnet, ausgewählt wird. In diesem Prozess gibt es keine Anrufe von Frau Merkel oder Kirchenfunktionären, die die Gewichtung bestimmen. Ausdrücklich nicht richtet sich das Buch an alle jene, die mit seriösen Medien Facebook-Posts und Twittternachrichten meinen, die ihre Infos aus Blogs von Verschwörungstheoretikern beziehen oder sich gar als „Journalisten“ verstehen, weil sie ihre Handykamera auf ein Ereignis gehalten und dieses dann im Internet veröffentlich haben.

Sehr massiv und mehrfach wird der Vorwurf der „Lügenpresse“ und Gleichschaltung der Medien thematisiert. Man spürt förmlich, wie sehr das Autorenpaar mit präziser Information, gut recherchierten Fakten, die in mehreren Seiten Quellenangaben genauestens nachzulesen sind, Vorwürfe, die den etablierten Medien gemacht werden, zu entkräften versucht. Ein Herzensprojekt, scheint es. Die Journalisten, die für das ZDF, die Süddeutsche und die Zeit arbeiten, nehmen also Medienkritik aus unterschiedlicher Richtung war, verbalisieren sie, machen deutlich, wer die Absender sind und bemühen sich um eine Einordnung, welcher Adressat erreicht werden soll. Und dann wird mit ihren Mitteln entkräftet: Information. Diese wird oft sehr ausführlich und ausschweifend, immer jedoch eloquent vorgetragen. Dabei bleiben die Autoren sehr aktuell. Sie scheuen sich nicht, die drei größten Vorwürfe der zurückliegenden Zeit unter die Lupe zu nehmen: Die Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht, die Ukraine- Krise und den Flüchtlingsstrom.  Die Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht habe bewirkt, dass die Medien gezwungen worden seien, selbstkritischer zu werden. Gerster räumt Versäumnisse ein. „heute“ hatte die Meldung der Polizei in der Montagssendung nicht gebracht.  „Die Vorwürfe, die auf der Pressekonferenz geäußert worden waren, waren so unvorstellbar und noch nie dagewesen, dass sie taten, was man in solchen Fällen professionellerweise tut: nämlich Vorsicht walten lassen und nicht vorschnell etwas hinausposaunen, ohne die Faktenlage selbst geprüft zu haben.“

Die Leser erfahren in diesem Buch, warum es Inhalte manchmal schaffen, als Nachrichten in die Medien zu gelangen und manchmal eben nicht. Sehr interessant ist, warum Medien in einer funktionierenden Demokratie nie gleichgeschaltet werden können. Alle, die an gutem Journalismus interessiert sind, bekommen quasi nebenbei einiges an Handwerkszeug mitgeliefert.

Fazit:
Es ist kein Roman, den man vergnüglich in einem „Rutsch“ durchlesen kann. Aber dieses Buch lohnt es, auf dem Wohnzimmertisch liegen zu lassen und immer wieder mal ein Kapitel zu lesen. Es hat Längen und ist an manchen Stellen etwas ausführlicher, als ich es mir gewünscht hätte, doch die Quintessenz überzeugt.
Das perfekte Inhaltsverzeichnis macht auch ein Querlesen möglich.

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