Ein Roman zum die „Welt um sich herum vergessen“


Ein Roman zum die „Welt um sich herum vergessen“

Die langen Wochenenden stehen bevor, für den ein oder anderen möglicherweise auch der Urlaub. Und genau für diese Zeit möchte ich ein Buch empfehlen. Es lässt nicht mehr los, man muss es in einem Rutsch durchlesen.

Portrait einer Ehe
Robin Black
Als Taschenbuch erschienen bei btb (10,00 Euro)
Als gebundene Ausgabe erschienen bei Luchterhand Literaturverlag (19,99 Euro)


Klappentext:
Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges Leben führen, wo sie Raum für sich und ihre Kunst haben, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Gus hatte eine Affäre, und nun versuchen die beiden, ihre Ehe zu retten. Als ins nächstgelegene Haus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars grundlegend ... Ein kluger, intensiver Roman über die Liebe, vor allem über die Liebe in der Ehe, über das, was sie zerstören und was sie erhalten kann.

Pressestimme:
„Ein psychologisch geschickt ausgetüftelter und zugleich spannender Roman über diese ganz spezifische Lebensform zweier Menschen." (Katja Lückert / NDR Kultur)
 


Ich habe mich für die Taschenbuchversion von btb entschieden. Das Cover wirkt auf mich deutlich lebensbejahender, zuversichtlicher, als das Cover der gebundenen Ausgabe. Nachdem ich den Roman gelesen habe, kann ich nur sagen: Genau dieses Cover passt zur Story.

Meinung:
Entgegen dem Eindruck, den der Klappentext erweckt, handelt es sich hier keineswegs um einen Liebesroman. Der Autorin gelingt es vielmehr, ein sehr dichtes, hochspannendes Gewebe einer Haltung in einer Paarbeziehung zu weben. Sie eröffnet ihren Roman mit der Information, dass der Mann ihrer Ich-Erzählerin, Owen, gestorben ist und breitet dann sehr stringend und ohne Unnötiges die Zeit bis zu diesem Vorfall aus. Von nun an erfährt der Leser/ die Leserin, was das Paar ausgemacht hat. Es gibt einige Protagonisten, die im Leben der beiden wirken, den dementen Vater von Gus, einer Malschülerin von ihr und auch die Schwestern, seine Eltern und nicht zuletzt die Nachbarin, die die Einsiedelei des Paares durchbricht. Alle Akteure haben ihre eigene, zum Teil vermutlich sehr interessante Geschichte. Doch die Ich-Erzählerin Gus bleibt ganz bei sich und ihrem Mann. Sie berichtet von anderen nur so viel, wie es für ihre Geschichte wirklich unabdingbar ist. Das Paar, die Empfindungen des Einzelnen, die sich auf die Paarbeziehung auswirken, die Tabus, den gemeinsam gewählten Weg – das sind die Themen, die sie ausgesprochen virtuos anbietet. Die Autorin lässt ihre Figur Gus, die Malerin, ein eindrucksvolles Bild ihrer Ehe malen und bedient sich hierfür einer sehr eloquenten Sprache und abwechslungsreicher sprachlicher Mittel. Mit Auslassungen, einem langen Gedankenstrom, Zeitsprüngen und Perspektivwechseln gelingt ein mitreisender Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann und eine Geschichte, die den Leser / die Leserin fassungs- und atemlos zurücklässt. Es liegt hier ein Roman vor, der es schafft, die Stimmung der unterschwelligen Bedrohung, der Freundschaft, des Verzeihens und des Aushaltens einzufangen und fast schon spürbar zu machen.

Fazit:
Absolut empfehlenswert! Das ist ein Buch, dass ich sicher noch mal lesen werde.

Kommentare

  1. Das klingt nach einem wirklich schönen Buch. Ich mag ja Bücher, die wenig Handlung haben und dafür das Innenleben der Protagonisten ausrollen.

    Danke für den Tipp!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Thomas, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Darf ich dir "Wald" von Doris Knecht empfehlen? Das wäre doch dein Buch. Du findest hier auch die Besprechung dazu.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts