Finnland-Kurzgeschichten von einem Meister


Alles frisch: Neue Erzählungen aus Finnland
Stefan Moster
Erschienen 2014 bei dtv
9,90 Euro


Klappentext:
Die Finnen sind wortkarg, verbringen viel Zeit in der Sauna und geben sich ausgedehnten Saufgelagen hin – über kaum ein nordeuropäisches Land kursieren so viele Klischees wie über Finnland, das Land der langen, dunklen Winter und kurzen, hellen Sommer. Doch mag auch manch ein Finne mit einer Thermoskanne voller Weinbrandkaffee auf die Jagd gehen oder die Unsicherheit beim ersten Rendezvous in einem Pfefferminzkakao mit Schuss zu ertränken versuchen, auch in Finnland gibt es einen ganz normalen Alltag, wird geliebt und gestritten, gelacht und geweint. Und nur ganz ausnahmsweise ist ein Finne auch einmal mit einem Elch per du.

Meine Meinung:
Als Moster-Fan ist dieses Büchlein natürlich Pflichtlektüre. Er hat bereits einige finnische Werke ins Deutsche übersetzt, für meinen Geschmack sogar sehr gut. Und ganz falsch kann ich da nicht liegen, denn er wurde 2001 mit dem staatlichen finnischen Übersetzerpreis ausgezeichnet. Leider hat er bislang nur drei eigene Romane veröffentlicht – unter anderem mein absolutes Lieblingsbuch Die Frau des Botschafters [eine Besprechung des Buches findet sich auch auf diesem Blog]. Sein Beitrag zu diesem Band ist die Herausgeberschaft mit Nachwort.

Durch die Aneinanderreihung von Geschichten finnischer Autoren, die bei uns gänzlich unbekannt sind, bietet er uns Lesern ganz unterschiedliche Schreib- und Sprachstile an. Das ist schon interessant. Durch dieses schmale Buch habe ich einen ersten Eindruck über die jüngere finnische Literatur gewonnen. Stilistisch wie inhaltlich wird eine breite Masse an Geschmäckern bedient – oder eben die Freude an Verschiedenheit. Die erste Geschichte etwa widmet sich vollkommen einer Skisprungschanze. Völlig absurd eigentlich und dennoch hat es mir wirklich Spaß gemacht, mich in das Kalt und den finnischen Alltag einzufühlen. Auch interessant war es, der Sprachlosigkeit nachzufühlen und in Geschichten über den Wald, Saunas, finnischen Sport und Alkohol einzutauchen. Eine wirkliche Perle ist natürlich „Grenzbegehung“. Hier wird von einem Elch erzählt, der bei einem jüdischen Autor um Asyl bittet. Natürlich muss die Frage geklärt werden, ob Elchfleisch koscher ist. Auch eine sehr schöne Geschichte handelt vom Beeren pflücken in Lappland. Wer dort jedoch Beeren pflückt, müsst ihr selber lesen. Das ist nämlich so ziemlich das un-klischeehafteste, dass man über Finnland lesen kann.

Fazit:
Ein klassisches Kurzgeschichtenbuch eines Meisters.
Wer sich für Finnland erwärmen kann, ist damit sehr gut beraten.

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