Reise- und Abenteuererzählungen vom Sprachkünstler Stanišić


Fallensteller
Saša Stanišić
Btb Verlag
10,00 Euro (Taschenbuchausgabe)

Werbetext:
Ein vom Leben nicht sehr verwöhnter alter Mann hat eine Leidenschaft für die Magie. Er bittet um Ruhe für die Große Illusion. Aber die Gemeinde trinkt Kaffee und hält nicht still. Anders der Fremde, er ist geduldig. Er will helfen, sagt er und bietet Lösungen an: manche sind keine, manche tun weh, und manche haben Gitter aus gebogenem Draht. Zwei Freunde ziehen durch Europa, sie reden und meiden das Zuhören, sie lügen und stehlen, jagen mit Karacho und Geschick ihren Sehnsüchten hinterher: einer syrischen Surrealistin, einem bedrohten Vogel und Rebekka. Um nur ein paar zu nennen. Dies sind Geschichten über Menschen, die Fallen stellen, Menschen, die sich locken lassen, Menschen die sich befreien - im Krieg und im Spiel, mit Trug und Tricks und Mut und Witz.


Meinung:
Den Sprachstil dieses Autors habe ich bereits in Vor das Fest kennen gelernt. Kaum einem gelingt es so gut wie Stanišić, seine Leser mal so eben ins Leere laufen zu lassen, Pointen perfekt zu platzieren und dem Leser immer so ein klein wenig voraus zu sein.
Fallensteller stand bei mir nun schon eine ganze Weile fast vergessen im Schrank. Nachdem ich das gute Stück am Wochenende nun durchgelesen habe, stelle ich fest: auch hier findet sich wieder diese sprachliche Brillanz, seine Fähigkeit, Einfühlungsvermögen zu versprachlichen, die Lust am syntaktischen Spiel. Gleichzeitig fehlen diesen zwölf Erzählungen das ganz Besondere. Sie sind alle samt gut gemacht, mehrheitlich Abenteuererzählungen oder Reisegeschichten von einem männlichen Erzähler, allesamt handwerklich solide, gelegentlich etwas zu nah am Stil des Feuilletons, manchmal etwas zu verspielt – aber eben alle gut gemacht. Das Buch hat für mich nur etwas Beiläufiges, was beim Lesen fast unbemerkt die Zeit verrinnen lässt, ohne dass mich die Geschichten wirklich berührt hätten. Im Grunde spiegelt er mit dem sprachlichen Ausdruck die Persönlichkeit seiner Figuren: allesamt eher blasse, unscheinbare Charaktere.

Und dann gibt es natürlich – und das wiederrum ist wirklich klug gemacht – mit der titelgebenden Geschichte eine Rückkehr nach Fürstenfelde. Der Schriftsteller aus Vor dem Fest ist weg, ein geheimnisvoller Fremder, der nur in Reimen spricht da.

Fazit:
Der Autor erfindet das Genre Erzählung nicht neu. Die Sprache macht Spaß, aber inhaltlich kann es der in Bosnien geborene Autor besser.



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