Ein MUSS in diesem Sommer!


Reise nach Orkney
von Amy Sackville
übersetzt von Eva Bonné
btb
erschienen im März 2018
Taschenbuch: 10 Euro



Klappentext:
Auf einer der kleinsten und einsamsten Inseln in Orkney, einem Archipel nordöstlich von Schottland, verbringt ein ungleiches Paar seine Flitterwochen: Richard ist ein angesehener Literaturprofessor, seine Braut war seine begabteste Studentin und ist vierzig Jahre jünger als er. Sie hat sich diese Reise in den Norden gewünscht ... Traumhaft, atmosphärisch, poetisch erzählt die britische Autorin Amy Sackville diese Geschichte einer Obsession, in der die entrückte, zauberische Landschaft, die Farben und Elemente von Orkney eine ebenso große Rolle spielen wie die beiden ungleichen Liebenden.


Meinung:
Autorin und Übersetzerin kenne ich bereits von Ruhepol und war daher hocherfreut, endlich eine neue Geschichte dieser großartigen jungen Erzählerin und der mindestens genau so wunderbaren Übersetzerin zu lesen.

Die Hauptfigur dieser Erzählung ist ein Literaturprofessor. Als Ich-Erzähler konfrontiert er die Leser mit fein komponierten Varianten von verschiedenen Erzähltechniken. Durch das anachronistische Erzählen des Professors habe ich sehr schnell den Eindruck, viel mehr zu wissen, als die Protagonistin, seine Frau. Gleichzeitig kann der Leser durch die Analepsen Verhalten der Frau des Professors sehr gut einordnen. Mittels der konstant verwendeten indirekten Rede im ersten drittel der Geschichte zeigt sich auch im Text die Distanz, die die Figuren in der fiktionalen Welt zueinander haben, ohne es zu diesem Zeitpunkt auch nur zu ahnen. Syntax und gehobene Sprache spiegeln das Bildungsniveau der Protagonisten wieder.

Sehr geschickt lässt die Autorin durch die sprachlichen und stilistischen Mittel die Persönlichkeit ihrer Figuren eine Entsprechung im Text finden. Alleine diese Idee ist genial. Man spürt förmlich, wie die Protagonisten sind, hat recht schnell das Gefühl, man kenne sie. Die Textform ergänzt und greift auf, was der Inhalt der Erzählung vermittelt.
Und genau das macht dieses Buch besonders (bis auf das wirklich schöne Cover, das eigentlich gar nicht zur Story passt). Inhaltlich ist die Story eher übersichtlich, innerlich geschehn jedoch sehr interessante Nuancen. Wenn man bedenkt, dass diese Hochzeitsreise nur knapp 14 Tage dauert, ist die Entwicklung des Ehepaares mit- und zueinander und die jeweils eigene Entwicklung ausgesprochen interessant - besonders, wenn man das Ende kennt. Was für ein Glück, dass die Übersetzerin so sensibel mit der Sprache umging!

Dieser jungen Autorin gelingt hier ganz große Kunst, indem sie eine sehr leise, melancholische, stimmige Story komponiert und in dieser die Charaktere gemäß ihrem Habitus zu Wort kommen lässt, was auch über den Text sichtbar wird. Selbst der Handlungsort passt perfekt zur Stimmung der Geschichte.

Fazit:
Genial! Poetisch! Sprachgewaltig!
Nichts für schwermütige Menschen und jene, die sich haltlos fühlen. Für alle anderen: Muss man gelesen haben.

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