Ein Plädoyer für Vielfalt im Kinderbuch


Ein Plädoyer für Vielfalt im Kinderbuch


Damit Kinder ihren eigenen literarischen wie ästhetischen Geschmack ausbilden können, ist es förderlich, sie von Anfang an mit unterschiedlichen Textarten, Texten und Illustrationen vertraut zu machen. Textlose und bilddominante Bücher können Kinder beispielsweise anregen, phantasievolle eigene Geschichten zu entwickeln. Auch für Kinder, die bereits lesen können, kann es spannend sein, Bilder zu betrachten, sich nicht an einem vorgegebenen Text abarbeiten zu müssen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, selber eine Geschichte zu erfinden oder einfach „nur“ Gesehenes in Worte zu fassen. Fotografische, kollagenhaft gestaltete und künstlerisch-malerische Illustrationen wirken auf die betrachtenden Kinder je ganz unterschiedlich, haben einen je unterschiedlichen Anforderungscharakter und lassen die Kinder immer wieder unterschiedliche visuelle Erfahrungen sammeln. Kinder werden angeregt, ganz kreativ mit Bildern und Büchern umzugehen.
Der Kreativitätsforscher Guilford benennt die Fähigkeit, neue und individuelle Ideen zu entwickeln und Probleme zu lösen als ein wesentliches Merkmal für Kreativität.
 

Durch das Anbieten unterschiedlichster (Bilder)Bücher ebnet man den Weg, dass sich die Kinder unbefangen und wertfrei an Bücher und Texte wagen, Bilder versprachlichen, eine Geschichte weiterführen, ins Gespräch gehen, sich verweilen. Sie spezialisieren sich nicht schon ganz früh auf eine bestimmte Art von Ausdruck, legen sich noch nicht fest in ihren Erwartungen und lassen sich auf unterschiedlichste Bücher ein.
Diese Form von Vermittlung von und durch Bücher übersteigert nicht die Wissensaneignung durch Lesen und Betrachten, sondern fördert ein Auseinandersetzen mit Texten, Illustrationen und Büchern, befördert ein Vertiefen und Einlassen auf Neues, Erkennen von Bekanntem und Ausbilden von Vorlieben. Es schafft die Voraussetzungen, einen eigenen Geschmack auszubilden, nicht einfach das als gegeben hinzunehmen, was man (ausschließlich) kennt.

 

Genauso wie eine Vielfalt bei den Illustrationen ihren Platz hat, braucht es Vielfalt bei den Inhalten. Individuell gewonnene Erkenntnisse sowie eigene Lebenswirklichkeiten müssen genauso ihre Entsprechung finden wie Phantasievolles, Nicht-reales, trauriges und lustiges, abenteuerliches und sachliches, unterschiedliche Rollenmodelle und Handlungsorte. Und da die Lebenswirklichkeiten, Ideen, Träume und Ängste von Kindern nun einmal sehr verschieden sind, braucht es ganz verschiedene Geschichten und Texte. Für eine Vielfalt in der Auswahl der Texte sprechen neben der ästhetischen Bildung auch die unterschiedlichen sprachlichen Anforderungen, die Bücher und Texte anbieten können: Wortschatz und Wortvielfalt, Ausdruck (man denke nur an Reime!), Konzentrationsspannen, die Texte abverlangen. Texte können die Bilder ergänzen und so die Handlung, die die Bilder anreisen, weiterführen – oder eben nicht.
 

Der frühe Umgang mit Büchern und Texten ist unbestritten nicht nur förderlich, um Schlüsselkompetenzen anzulegen, sondern hat auch das Potential, innige Eltern-Kind-Momente zu schaffen. Daher sollte das (Vor)Lesen und Erzählen (vielleicht mit einem textreduzierten Bilderbuch als Erzählgrundlage) von Anfang an seinen festen Platz in der Familie haben.


Nun stellt sich noch die Frage: Wo finde ich denn „diverse“ Kinderbücher? 

Als „Findeorte“ kann ich empfehlen:
-       Gute Buchhandlungen (wer immer nur in der gleichen Buchhandlung sucht, wird wohl eher nicht   überrascht werden mit Exemplaren aus bislang unbekannten Verlagen)
-          Eine üppig gefüllte Bibliothek (zum Beispiel das Prinz Max Palais in Karlsruhe)
-         Diesen Blog (gerne auch mal in der Kategorie „Kinderbücher“ nach Beiträgen aus der
       Vergangenheit suchen)
-          Museumsbuchhandlungen
-          Den Bücherschrank der eigenen Verwandtschaft und von Freunden


Eine absolute Empfehlung, wenn es um das Infragestellen tradierter Rollenmuster geht:
Prinz Pfifferling (Autorin: Babette Cole), leider nur noch 
antiquarisch erhältlich 



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