Man wünsche jedem Irgendwie Anders ein Etwas an die Seite




Irgendwie Anders

Autoren: Kathryn Cave, Chris Riddl
Übersetzung: Salah Naoura
Oetinger Verlag
15. Ausgabe
28 Seiten
12 Euro

Klappentext:
So sehr er sich auch bemühte wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein.

Meinung:
Diese hervorragende Geschichte wurde 1994 erstmals veröffentlicht und hat in der Zwischenzeit kein bisschen an Aktualität verloren. Noch immer ist es ein Bilderbuch und eine Geschichte, die meiner Meinung nach keinem Kind vorenthalten werden darf, eine Geschichte, die eine ganz wichtige Botschaft vermittelt und Eltern mit ihren Kindern ins Gespräch bringt.

Das Bilderbuch behandelt die Themen Anderssein, Ausgrenzung  und Fremdheit auf eine ganz besondere Weiße. Es dreht sich alles um das kleine blaue Irgendwie Anders. Es wohnt da, wo die anderen nicht wohnen, bekommt von den anderen Tieren immer wieder gesagt, es sei so anderes als sie selber und hat keine Freunde. Dabei möchte das Irgendwie Anders doch so gerne so sein wie alle. Es versucht, wie sie zu essen, sich wie sie zu kleiden, wie sie zu malen und zu spielen. Obwohl er größte Anpassungsleistungen vollbringt – im Ergebnis ist und bleibt es Irgendwie Anders. Er gehört nicht zu Gruppe, bleibt alleine und außen vor.
Als es am Abend an die Tür klopft und ein kleines Etwas um Einlass bittet, ist Irgendwie Anders entsetzt über dieses andere Etwas, dass gerne sein Freund wäre. Das Etwas meint, dass es genau so sei, wie Irgendwie Anders: Anders als die anderen.  Etwas wird zuerst weggeschickt, doch recht schnell merkt Irgendwie Anders, dass sie unterschiedlich sind, dieser Umstand aber überhaupt nichts macht. Ab diesem Zeitpunkt sind sie beste Freunde und machen alles gemeinsam. 

 

Die Bilder zeigen das Anders sein sehr anschaulich und unterstützen die Aussage der Textebene. Erst durch die Bilder kommt der Inhalt und die Tragweite der Geschichte richtig zur Geltung. Die Bilder zeigen nicht nur sehr schön, WIE anders Irgendwie Anders aussieht, sondern geben alleine durch die Positionierung der Figuren und den Zeichenstil zu erkennen, wer nicht dazu gehört und wo die anderen stehen. Gleichzeitig sprechen die Bilder andere Wahrnehmungskanäle als der Text an.

Auch die Emotionen des Protagonisten werden sehr schön bildlich dargestellt: Gleich zu Beginn des Buches nehmen „die Anderen“ und Hintergrund gut die Hälfte des Bildes ein. Irgendwie Anders steht klein, verängstigt und mit den Händen auf dem Rücken der Gruppe gegenüber. Er nimmt nur die untere Hälfte es Bildes ein.
Besonders perfide: „Die Anderen“ ist keineswegs eine homogene Gruppe. Nein! Sie setzt sich aus Mitgliedern unterschiedlicher Tierfamilien zusammen. 

Was den kleinen blauen Irgendwie Anders grundsätzlich von den anderen Figuren unterscheidet, ist seine Unbekleidetheit. Die Anderen tragen verschiedene Kleidungsstücke und zum Teil sogar Brillen, Schriftrollen und Pinsel. Nun könnte man deuten: Zeigt uns dies den Bildungsstand an, der unterschiedlich ist? Oder geht es um Besitz? Oder ist es schlicht eine besonders gelungene künstlerische Gestaltung?

Irgendwie Anders gehört nicht nur nicht dazu, ihm wird auch ein unbequemer Platz zugewiesen. Während die anderen zusammen im Schatten sitzen, bleibt Irgendwie Anders mit seinem warmen Fell alleine in der Sonne zurück. Diese Details auf der Bildebene ergänzen den Text sinnvoll.

Leider ist das Buch aktueller denn je: Irgendwie Anders lebt am „Rande der Gesellschaft“, weit weg von den anderen, auf einem hohen Berg, in einem kleinen Haus, in dem nur Platz für ihn alleine ist. Erreichen kann man sein Haus nur über einen schmalen Weg, der nur ein Ziel hat: das Irgendwie Anders Haus. Einfach so kommt keiner an seinem Haus vorbei, man muss es schon wollen und bewusst ansteuern.

Fazit:
Ein Buch, das seit seiner Entstehung im Jahr 1994 nichts an Aktualität und Charme eingebüßt hat.
Unbedingt empfehlenswert!



Auszeichnungen u.a.:
  • UNESCO Prize for Children's and Young People's Literature in the Service of Tolerance. (1997)
  • Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (1995)

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