Hochproblematisches Thema, exzellente Schreibe, sehr gute Übersetzung


Mein Ein und Alles

Gabriel Tallent
Übersetzer: Stephan Kleiner
Erschienen am 24.9.2018 bei
Penguin Verlag
480 Seiten
24 Euro


Klappentext:
 »Ein Buch, das man mit angehaltenem Atem verschlingt.« Washington Post

Dieser Roman über ein junges Mädchen hat Amerikas Leserschaft überwältigt und gespalten. Denn Turtle Alveston, so verletzlich wie stark, ist eine der unvergesslichsten Heldinnen der zeitgenössischen Literatur. Sie wächst weltabgeschieden in den nordkalifornischen Wäldern auf, wo sie jede Pflanze und jede Kreatur kennt. Auf tagelangen Streifzügen in der Natur sucht sie Zuflucht vor der besitzergreifenden Liebe ihres charismatischen und schwer gestörten Vaters. Erst als sie ihren Mitschüler Jacob näher kennenlernt und wahre Freundschaft erfährt, beginnt die Befreiung aus seinen Klauen. Gabriel Tallents Debut ist von eindringlicher Wucht und zugleich Zartheit, eine neue Stimme, die niemanden kalt lässt. »Als Leser schlägt einem das Herz bis zum Hals und man hofft nichts inständiger, als dass Turtle durchkommen möge. Intensiv und lebendig.« Marie Claire


 https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Tallent_GMein_Ein_und_Alles_186489.jpg


Meinung:
Was ich dem Klappentext nicht entnehmen konnte ist, dass die Protagonistin, die kleine Julia, genannt Turtle, von ihrem Vater schwer misshandelt wird. Ein Umstand, den ich gerne vorher gewusst hätte. Für mich darf Literatur sehr viel, ja sie muss sogar sehr viele Themen anfassen. Kindesmissbrauch eignet sich für mein Empfinden auf gar keinen Falle für einen Roman. Hätte ich das gewusst, hätte ich die Finger von diesem Buch gelassen. Nun habe ich es aber angefangen. Und die Washington Post hat Recht: Man kann eigentlich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Autor und Übersetzer haben hier ganz Herausragendes geleistet. In einem sehr unmittelbarem Erzählstil, genau komponierten Worten und so klar gezeichneten Charakteren, dass man denkt, man kenne sie seit Jahren ganz genau, nähern sie sich Themen wie Waffenbesitz in den USA, Kindeswohl, psychische Gewalt, Misshandlung.
Vater und Tochter sind mit ihrem unglaublich tiefen Fühlen, dem fehlgeleiteten Denken und in ihrer kranken Liebe eine Herausforderung, der ich mich nicht bis zum Ende des Romans stellen konnte.

Dieses Buch tut richtig weh, macht traurig, die erzählte Story ist abartig und krank! Der Sprachduktus hingegen ist mit das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Diese Kombination ist im Grunde eine Katastrophe! Wie bespricht man nun einen Roman, der inhaltlich abscheulich und abartig ist, aber von Form und Schreibstil her ganz großes Kino? Ich weiß es nicht!

Fazit:
Ich habe dieses Buch nicht zu Ende lesen können. Es ist zu schrecklich! Wer es sich zumuten möchte und kann, findet mit diesem dicken Buch einen herausragend geschriebenen Entwicklungsroman.

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